#Freethemall Lebenslang für einen „Brückenbauer“

Quelle:Welt

Ilham Tohtis letzte öffentliche Worte vor Gericht waren: „Ich nehme das Urteil nicht an. Ich protestiere!“ Lebenslang – so lautete die Strafe, die im September 2014 in der Hauptstadt der chinesischen Provinz Xinjiang gegen den Wirtschaftsdozenten und Publizisten verhängt wurde.

Der ethnische Uigure, der an der Pekinger Nationalitätenuniversität lehrte, wurde im Januar 2014 aus seiner Wohnung überfallartig abgeholt und nach Ürümqi gebracht. Fünf Jahre zuvor hatten die Zentralbehörden eine ähnlich geplante Verschleppung gestoppt.

Hunderte namhafte Intellektuelle setzten sich damals für Tohti ein. Sie nannten ihn eine „Stimme für die Aussöhnung“ im 2009 ausgebrochenen Konflikt zwischen Han-Chinesen und Uiguren, einen „Brückenbauer und Gegner aller Gewalt“.

Doch 2014 ließ Peking an dem heute 48-Jährigen ein Exempel statuieren. Es bestrafte den international ausgezeichneten Hochschullehrer brutal, weil er in seinem 2006 gegründeten Internetportal Uighur Online und in seinen Vorlesungen die Fehler von Chinas Minderheitenpolitik sowie die Inkompetenz der Provinzregierung kritisierte. Das Gericht in Ürümqi verurteilte Tohti im Eilverfahren als „geistigen Wegbereiter für Terrorismus und Separatismus“.