20min.ch, 29.07.2010
Jahrelang war Nijiati Abudureyimu dabei, als Hingerichteten in China die Organe zwecks Weiterverkauf entnommen wurden. Doch in Europa will ihn niemand hören. Jetzt wurde er in Neuenburg verhaftet.
Nijiati Abudureyimu ist auf der Flucht. Nicht vor der Polizei, weil mehrere seiner Asylanträge in Europa abgelehnt wurden. Sondern vor dem chinesischen Geheimdienst, der ihm auf den Fersen ist. Abudureyimu fürchtet um sein Leben. Denn der Uigure weiss zu viel. Zu viel über die Machenschaften der kommunistischen Machthaber in der Provinz Xinjiang, wo die muslimische Volksgruppe der Uiguren von der chinesischen Staatsmacht seit Jahren unterdrückt wird.
Zehn Jahre war Nijiati Abudureyimu Teil dieses Staatsapparates. Er arbeitete für die Spezialpolizei von Urumqi, der Hauptstadt der Provinz Xinjiang. Gegenüber der Genfer Zeitung «Le Temps» erzählte der Ex-Polizist davon, wie er in den Jahren 1993 bis 1997 die Todeskandidaten vor das Erschiessungskommando führte. In dieser Position als Scherge des Unterdrückungsapparats kam er an hochbrisante Information darüber, wie gewissen Todeskandidaten Organe entnommen und anschliessend – für die lokalen Behörden höchst lukrativ – verkauft werden. Diese Praxis ist nicht unbekannt. 2009 schrieb sogar die englischsprachige staatliche Zeitung «China Daily», dass wohl zwei Drittel aller gespendeten Organe in China von Hingerichteten stammen. Dennoch sind kaum Details bekannt. Die könnte Nijiati Abudureyimu liefern.
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